Digital fotografieren, heute «state of the art», mit modernen Objektiven knackscharf von vorne bis hinten über den gesamten Bildbereich. Bautechnische optische Verzerrungen werden automatisch korrigiert. Mit Autofokus erreicht man nie dagewesene Geschwindigkeiten beim Fotografieren. Sofortige Ansichten der Bilder, keine Filmwechsel mehr und unendlich viele Möglichkeiten der Bildbearbeitung. Die Vollautomatik nimmt uns die Entscheidung ab, bezüglich Blende, Belichtungszeit, Empfindlichkeit und vieles mehr. Draufhalten, knipsen, fertig – theoretisch….
Meine Anfänge
Zu Anfang war ich unterwegs mit der alten 6 x 7 Falt-Kompaktkamera meines Vaters und einer billigen Agfa Optima. Später auf Reisen hatte ich eine Minolta Weathermatic, die mir gute Dienste erwiesen hat. Die Faltkamera hatte mich aber auf den Geschack gebracht.
Später hatte ich die Gelegenheit günstig eine ALPA-Ausrüstung zu ergattern. Eine ALPA 10d mit 3 Top-Objektiven. Meine Diaposive brachte ich mit einem Durst-Vergösserer auf Papier. Ich wurde ein engagierter Amateur-Fotograf, der auch ein paar Fotowettbewerbe erfolgreich bestritt. Mit Balgengerät und Umkehrring entdeckte ich die Makrofotografie. Dann wurde mir die ganze Ausrüstung in Spanien geklaut und ich machte jahrelang nichts mehr. Mitte der 2000er stieg ich wieder ein in die Fotografie mit meiner ersten digitalen Kamera, einer Nikon D70s und später mit einer D7000.
Meine Ausrüstung heute ist eine Nikon D780, mit der ich auch wieder etwas engagierter unterwegs bin. Ich habe sie aus mehreren Gründen einer Kamera aus dem Z-System vorgezogen. Sie ist eine Art Hybrid-Kamera, eine Spiegelreflex mit hervoragender Bildqualität und eine spiegellose Kamera mit den Eigenschaften einer Z6, die letzte ihrer Art.
Daneben habe ich noch eine Sony A7RII, die ich für die Adaption meiner Vintage Objektive brauche.
Die Vintage Welt
Vintage-Fotografie bedeutet, Farb-, Schwarzweiss- oder Farbfilme mit einer analogen Kamera zu verwenden.
Retro bedeutet, mit modernen Mitteln den alten Stil nachzuamen.
In der modernen Fotografie ist eine Mischform mittlerweilen trendy. Vintage-Objektive auf moderne Digitalkameras zu adaptiern und den Look, den diese alten Objektive erzeugen digital einzufangen. Das ist im Gegensatz zur echten Vintage Fotografie sehr viel einfacher und ein fantastischer Kompromiss. Moderne mit alter Technik zu mischen funktioniert sehr gut und bedeutet sehr viel weniger Aufwand. Objektive von alten Analog-Kameras haben ganz andere optische Eigenschaften. Sie sind nicht knackscharf, vor allem nicht über den gesamten Bildbereich, haben andere Farbeigenschaften und wirken viel weicher in der Abbildung. Geschätzt wird auch das sogenannte Bokeh, dem Unschärfebereich, mit dem sich, ja nach Objektiv, wunderbar experimentieren lässt.
Mit manuellem Fokus und Blendenwahl sowie Festbrennweite muss man sich zwangsläufig mit der Bildkomposition auseinandersetzen. Es braucht ein gewisses Mass an Planung oder Überlegungen was man wie ablichten möchte. Das braucht Zeit und Geduld. Optisch ist der Unterschied vor allem bei einer offenen Blende zu sehen. Die Bilder sind weicher, die Schärfe fällt zum Rand hin ab und die Objektive haben oft eine sichtbare Vignettierung. Einige Objektive neigen zudem zu starker chromatischer Aberrationen. Diese «CR» und andere Unzulänglichkeiten kann in der modernen Bildbearbeitung zwar korrigiert werden, aber ich finde, das ist nicht der Sinn beim Einsatz von Vintage-Objektiven.
Ich habe mir eine kleine Sammlung zugelegt, mit Objektiven, die ich auf eine Sony Alpha 7RM2 adaptiere. Es ist ein stetiges Experimentieren, welches wann und wie am besten eingesetzt werden kann. Meine Favoriten bisher sind:
- Ashai SMC Takumar 28 mm 1:3.5
- Minolta MC Rokor-PG 50 mm 1:1.4
- Leica Macro Elmarit-R 60 mm 1:2.8
- Auto Tamron 135 mm 1:2.8 und Auto-Alpa MC 135 mm 1:2.8
- Leica Elmarit-R 180 mm 1:2.8
- Helios MC 44M-4 2/58
- Vivitar Serie 1 Vario 35-85 1:2.8
Sowie folgende speziellen Objektive:
- Angenieux Macro Zoom 2 x 35 1:2.5
- Meyer-Görlitz Trioplan 100 mm 1:2.8, ca. 70 Jahre alt!
Mittelformat
Hinzugekommen sind noch eine Mamiya 645 Afd aus dem Jahr 2001 mit diversen AF-Objektiven die ich vorwiegend für Landschaften einsetze. Allerdings fotografiere ich nicht mit Rollfilm, sondern mit einem DM22 Digital-Rücken (1999) mit CCD-Sensor und 22 MP, 48 x 36 mm-Sensor (crop-Faktor 1.1) und 16-Bit/Kanal-RAW-Dateien . Die Bilder sind überwältigend gut und brauchen den Vergleich mit modernen Kameras nicht zu scheuen. Die Schwierigkeit ist eine Software zu finden die dieses spezielle Format lesen kann. Mit CaptureOne funktioniert das hervorragend.
Als neuste Errungenschaft habe ich noch eine top erhaltene Mamiya RB67 Pro SD aus dem Jahr 1990. Das ist Photo-Yoga pur. Alles manuell, keine Elektronik, kein Belichtungsmesser, kein Schnickschnak – robust wie ein Panzer, gross und schwer. Das Spannen des Verschlusses und das geklacke beim Abdrücken ist schon ein Elebnis für sich. Der Blick durch den hellen klaren Sucher ist eine Freude. Die Vorbereitung, bis das Bild im Kasten ist benötigt Zeit und es braucht vorher eine klare Vorstellung was man eigenlich wie aufnehmen will.